Sommerschwesters Welt

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Sonntag morgen um 6:13 Uhr....

klingelte mich (oder besser uns) mein Handy aus dem Schlaf. Wir waren ja bei Freunden in Nordhessen.
"Guten Tag, hier spricht das Rote Kreuz. Ihr Großvater hat den Alarmknopf gedrückt, könnten sie bitte mal nachsehen, ob etwas los ist?"
Habe dem netten Herrn dann erklärt, dass ich weit weit weg bin und nun meine Mutter (die eine Etage über meinem Opa wohnt) anrufen und sie bitte nach ihm zu schauen und sich zu melden.
Kurz gewundert habe ich mich auch noch: Wofür haben wir denn das Ding, wenn sie eh erst immer uns anrufen. Genau aus dem Grund gibt es den Notruf ja, damit wir uns nicht ständig und immer Sorgen machen müssen.

Es brauchte SIEBEN Anläufe bis meine Mama das Telefon gehört hat bevor der AB dran ist. Ich hätte mich fast angezigen und wäre ins Auto gesprungen. Sie ist dann runter zu meinem Opa und hat nachgeschaut.

Kurze Zeit später rief sie dann zurück (ich hätte sonst nicht mehr schlafen können). Opa hat den Knopf nur aus versehen gedrückt (hatte es gar nicht bemerkt). Er sitzt angezogen im Wohnzimmer und hat Schmerzen im Hals (kommt von der Bestrahlung).
Gut ist das nicht. Nein, es ist beschissen (entschuldigt meine Wortwahl).
Freitag sagte der behandelnde Radiologe, dass Opa vielleicht doch besser stationär aufgenommen wird während der Bestrahlungszeit (sie haben ein paar Termine hinzugefügt, da die ursprünglichen 22 wohl nicht reichen).
So langsam glaube ich das auch. Es geht einfach sehr an die Substanz und das hat nichts damit zu tun, dass wir uns eben mehr um Opa kümmern müssen sondern das man die Sorgen einfach nicht los wird. Jedes Mal wenn das Telefon klingelt und ich die Nummer nicht kenne wird mir ganz anders. Dann habe ich immer die Angst, dass es vielleicht ein Notarzt oder das Krankenhaus ist oder der Pflegedienst der kommt (wenn wir eben tagsüber arbeiten) und ihn über die Sonde ernährt.
Man merkt Opa an, dass er die Spuren der Bestrahlung nicht mehr verstecken/unterdrücken kann. Er muss viel Husten und ist stark verschleimt. Aufgrund seiner Kriegsverletzung kann er das auch nicht mehr gut kontrollieren und verliert viel Speichel und Schleim unkontrolliert. Ihm ist das, verständlicherweise, peinlich. Ich glaube, er fühlt sich wie ein kleines Kind/Baby, dass bei allem Hilfe braucht.
Und er kann die Schmerzen nicht mehr unterdrücken. Selbst dasTrinken (von dünnem Saft, Wasser oder einem leichten Tee) bereitet ihm Schmerzen.
Als ich klein war, hat Opa immer auf mich "aufgepasst". Er war mein großer Beschützer.

Ja, ich habe Angst (auch wenn die Ärzte uns natürlich sagen, dass diese Nebenwirkungen "normal" sind und man damit rechnen musste und das das nicht für immer so sein wird). Riesige Angst und mir tut es einfach verdammt weh meinen Opa so zu sehen (wobei es weniger um die körperlichen Schmerzen geht sondern darum, dass er sich schämt; er schämt sich wegen der Nebenwirkungen der Bestrahlung).

Dieser Sonntag morgen um 6:13 Uhr hat das mir noch einmal ganz besonders deutlich gemacht.

Alles Liebe
von Sommerschwester, die sich sehr um ihren Opa sorgt

7.4.08 15:11

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


masca / Website (7.4.08 15:50)
Ach Mensch, Nadine... lass Dich mal knuddeln! Haltet durch, auch die Bestrahlung ist irgendwann zu Ende. Und das Ende ist in greifbarer Nähe. Bis dahin... durchhalten und nie die Hoffnung verlieren! Aber es ist auch richtig und gut, dass Du Deine Sorgen rauslässt. Du weißt, meine Schulter hält einiges aus... ja? Alles Liebe!!!

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